Regionalportal Donau-Ries
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    Stadtplatz Monheim
    Stadtplatz Oettingen

    Semmellösung

    „Baugebiete verträglicher planen – den Charakter eines Dorfes bewahren!“

    Innen vor Außen! Wenngleich dieser Grundsatz bei der Entwicklung von Räumen, heute mehr denn je, gelten sollte, kommen Kommunen mit Wachstumsdruck oftmals nicht um die Ausweisung von neuen Baugebieten herum. Spätestens seit dem Volksbegehren von 2018 „Betonflut eindämmen – damit Bayern Heimat bleibt!“ und der zukünftigen Richtgröße der bayerischen Staatsregierung bis 2030 einen maximalen Flächenverbrauch von 5 Hektar pro Tag zu erreichen, ist aber klar, dass die Ausweisung von neuem Bauland wohlüberlegt und vor dem Hintergrund einer flächensparenden und nachhaltigen Politik geschehen sollte.¹ Vor der Ausweisung von EFH- Gebieten (Einfamilienhausgebieten) sind daher zunächst alle Maßnahmen eines aktiven Innenentwicklungsmanagements durchzuführen. Dazu zählen beispielsweise Bauberatungen, Informationsveranstaltungen, eine sensibilisierende Öffentlichkeitsarbeit, das Erfassen der theoretischen Innenentwicklungspotentiale, das Feststellen von Leerstandsrisiken, die Eigentümeransprache, die Mobilisierung der praktischen Innenentwicklungspotentiale (zum Verkauf stehende Leerstände und Brachflächen) oder auch das Erstellen einer kommunalen Entwicklungsstrategie.² (vgl. Gastbeitrag Matthias Simon – ISEK/ILEK).

    Niemand möchte ernsthaft den „Donut-Effekt“ in seiner Kommune: innen leer und außen ein immer dicker werdender Rand. Was wir heute benötigen ist eine SemmelLösung: innen gut gefüllt und außen die gleiche Struktur und Konsistenz!

    Der Grundsatz der Innenentwicklung darf im Rahmen eines nachhaltigen Flächenmanagements nicht vernachlässigt werden und ist immer die bessere Alternative. Nur so kann ein lebendiges Quartier mit unterschiedlichsten Altersgruppen bewahrt und der Remanenzeffekt (Bewohner verbleiben, z.B. nach dem Auszug der Kinder, in den einmal bezogenen Wohneinheiten, obwohl eine verminderte Wohnfläche ausreichen würde) verhindert werden. Für die hohe Attraktivität eines Standortes ist ein lebendiger Ortskern und eine fußläufig erreichbare Infrastrukturausstattung essentiell. Dass dies jedoch für eine Kommune oftmals schwer zu realisieren ist, zeigt sich bei der Befragung der Eigentümer von leerstehenden Gebäuden und brachliegenden Flächen im Ortskern. Häufig ist die Bevorratung von „Enkelesstückle“ der Grund und damit ist auch eine Reaktivierung, zunächst, vom Tisch.³

    Wenn dann nun die tatsächliche und überprüfbare Notwendigkeit eines Neubaugebietes (ausschließlich dann, wenn Möglichkeiten der Innenentwicklung nicht oder in nur sehr geringem Maße vorhanden sind) gegeben ist, muss sich dieses wenigstens in das regionaltypische Ortsbild und die Baukultur einfügen⁴ - die Semmel-Lösung. Der Erhalt des Charakters eines Dorfes ist bis dato der meist vernachlässigte Aspekt dabei. Mit jedem neuen Baugebiet verliert eine Kommune ihr identitätsstiftendes „Gesicht“, denn möglichst viele (kleine) Grundstücke für möglichst viele Eigentümer*innen sollen bereitgestellt werden. Damit könnten heutige Neubaugebiete in Bayern auch in Brandenburg stehen. Sie sind auswechselbar. Das ist einerseits aus planerischen Gründen und entwicklungsperspektivischer Sicht verständlich, andererseits folgt die Siedlungslandschaft dadurch immer häufiger nur dem individuellen Geschmack und leistet keinen Beitrag zum architektonischen Gesamtkonzept und zum Erhalt der regionalen (Bau)Kultur⁵. Neue planerische Konzepte, die den Charakter der Kommunen zu bewahren helfen, sind notwendig. Ein überregionales Beispiel dafür ist die Initiative „Baukulturregion Alpenvorland“ (www.baukulturregion.de). Es ist zwingend erforderlich, dass Neubaugebiete der Qualität der gewachsenen Ortsbilder entsprechen. Hierfür gibt es zahlreiche Handlungsoptionen, die im Folgenden näher ausgeführt werden. 

    Nachhaltiges Flächenmanagement – nachhaltiger Umgang mit der Fläche

    Der Umgang mit der wertvollen und sehr begrenzten Ressource Boden, muss ein nachhaltiger sein. Bei der Neuausweisung von Baugebieten ist es zukünftig wichtig, sich an der Ökologischen, Ökonomischen und Sozialkulturellen Dimension zu orientieren⁶. Die Ökologische Dimension hat vor allem den Verbrauch von möglichst wenig Fläche im Blick. Zudem stellt sich hier die Frage, ob vollständig versiegelte Flächen, insbesondere versiegelte Vorgärten, in Zeiten der Forderung nach mehr Artenvielfalt, Bodenschutz und der Abmilderung von Klimafolgen noch zeitgemäß sind. Die Schaffung einer hinreichenden kommunalen Gestaltungsgrundlage ist hier sinnvoll⁷ und seit 1. Februar 2020 auch gesetzlich, durch die Reform der bayerischen Bauordnung, möglich. Beispielsweise können Kommunen dann Steingärten und große Kunstrasenflächen untersagen.⁸ Auch die Grünräume im neuen Quartier, seien es private oder öffentliche, sind im Sinne eines ökologischen Umgangs mit dem Raum zu gestalten und an die lokalen Gegebenheiten anzupassen. Eine Ortsrandeingrünung kann zudem den Übergang in die freie Landschaft schaffen. Die Ökonomische Dimension beinhaltet einerseits ein kostendeckendes Wirtschaften der jeweiligen Kommune, andererseits muss es auch das viel beschworene „bezahlbare Wohnen“ möglich machen.

    Ein Spagat und meist nicht einfaches Unterfangen, soll ein solches Gebiet doch Wohnraum für mehrere Generationen über mehrere Jahrzehnte hinweg bieten. Die Folgekosten, die durch die Ausweisung von neuen Baugebieten am Ortsrand entstehen, sind oftmals nicht unerheblich und dürfen hier keinesfalls außer Acht gelassen werden⁹. Die Betrachtung der sozial-kulturellen Dimension wird bei der Planung von Neubaugebieten häufig vernachlässigt. Und doch ist es mitunter der Aspekt, der hilft, den Charakter eines Dorfes durch eine individuelle Planung zu erhalten. Möchte man diese Individualität eines Dorfes erhalten und die typische Uniformität von heutigen Neubaugebieten vermeiden, so gibt es mehrere Wege. Zum einen hilft ein entsprechendes Freiflächenkonzept bzw. Spielflächenkonzept um belebte und lebendige öffentliche Flächen in einem Wohngebiet, für alle Altersstufen, zu schaffen. Des Weiteren ist eine attraktive Gestaltung des öffentlichen Straßenraumes, sowie eine geöffnete Anordnung der Häuser zum Straßenraum hin möglich (seitliche Hof- und Gebäudezufahrten). Dieser kann zusätzlich mit einer entsprechenden Eingrünung und Bepflanzung, mit einfließenden Seitenflächen, mit Aufweitungen und Engstellen gestaltet werden. Seitliche Rasenstreifen mit Baumpflanzung können die Häuser schützend von der Straße absetzen (Abbildung 3). Diese Orientierung an den früheren Strukturen der Ortskerne hilft, auch Neubaugebiete lebendig werden zu lassen. Denn der ländliche Ort lebt mit der Straße, ist Aufenthaltsort und Treffpunkt der Bewohner*innen¹⁰.  Heute benötigen wir neben einer Baukultur mit städtebaulichen Verbesserungen auch öffentlich zugängliche Orte mit einer hohen Aufenthaltsqualität¹¹ . Helfen könnte zudem ein Bürgerbeteiligungsverfahren über die Nutzungsart, die Wegeführung, die Angliederung oder auch die Initiierung von bisher fehlenden Institutionen in neuen Baugebieten. Dies macht mehr Arbeit, jedoch unterstützt dies in ganz erheblichem Maße die Akzeptanz der Bürger*innen für das neue Quartier. Dadurch können zudem Bedürfnisse eruiert und passgenaue Lösungen für die spezifischen Herausforderungen vor Ort erarbeitet werden¹². Häufig wird von den Menschen vor Ort bemängelt, dass sich die neuen Bewohner*innen von Baugebieten nicht in die Dorfgemeinschaft einfügen, die teuren und hochmodernen Häuser nur noch als „Schlafstätten“ fungieren und ein nicht belebter Bereich entstanden ist.

    Rückbesinnung auf traditionelle Strukturen

    Um die bereits angesprochene Uniformität der Neubaugebiete aufzulösen und regional individuelle Siedlungsstrukturen zu schaffen, kann eine Orientierung an traditionellen Strukturen hilfreich sein. So ist eine Rückbesinnung auf historische ländliche Siedlungsformen mit Anger- und Gruppenbebauung eine Möglichkeit. Ein Vorteil ist hier die verdichtete Bebauung, mit der bereits früher erhebliche Flächenversiegelungen eingespart werden konnten. Zwanglos gruppierte ortstypische Baukörper, mit Statteldächern, stehen hier an frei geführten Erschließungsstraßen. Das typisch ländliche Wohnumfeld mit fließenden Übergängen zwischen öffentlichen, halb-öffentlichen und privaten Freiräumen kann entstehen ¹³ (vgl. Abbildung 2).

    Freiflächengestaltung im Angerbereich im Landkreis Passau

    Der typisch dörfliche Siedlungscharakter kann, wie oben bereits erwähnt, durch locker angeordnete Gebäude und zudem durch eine bewegte Straßenführung erreicht werden. Sparsame Straßenquerschnitte begünstigen begrünte Seitenflächen und die Pflanzung von alten Obstsorten wertet den Straßenzug auf. Die Baugrundstücke können durch eine Grenzbebauung zur Straße hin gut ausgenutzt werden. Auch hier ist, wie üblich, ein modernes und zeitgemäßes Wohnen unter Einhaltung der regionalen Baukultur möglich ¹⁴ (vgl. Abbildung 3).

    Dörfer im Wandel - Neue Konzepte für einen attraktiven Standort

    Ein belebtes Wohnquartier war seit jeher ein Mix aus Wohnen und Leben. Heute sind dies die identitätsstiftenden Ortskerne, die es unbedingt zu erhalten gilt. Eine Rückbesinnung auf diese Wurzeln kann uns helfen uns wieder Altbewährtem anzunähern, um neue Lebendigkeit in die – oftmals leider notwendigen – Ortsrandlagen zu bringen. So könnte der Bebauungsplan das gesamte Gebiet als allgemeines Wohngebiet festsetzen. Es soll damit vorwiegend dem Wohnen dienen, aber auch die typischen Nahversorgungsstrukturen eines attraktiven Standortes beinhalten: Kleine Läden die die Versorgung der Bewohner sichern, multifunktionale Dorfläden, Kindertagesstätten, nicht störende Handwerksbetriebe sowie Bereiche für soziale, gesundheitliche und kulturelle Zwecke. Neben dem Wohnen entstehen damit Einrichtungen des täglichen Bedarfs. Wichtig ist hier, dass diese Strukturen vorrangig im Ortskern erhalten und geschaffen werden und kein zweites Zentrum entsteht. Nur wenn im historischen Zentrum bereits alle (räumlichen) Ressourcen genutzt wurden und zusätzliche Strukturen aber benötigt werden, kann diese innovative Art der Neubaugebiete umgesetzt werden. Wichtig ist auch hier, die Dorfgemeinschaft zu beteiligen und den Bedarf vorab zu klären. Ein positiver Nebeneffekt:
    Der soziale Zusammenhalt im Ort wird gestärkt und die Zuzügler werden bereits von Beginn an strukturell eingebunden. Ein reger Austausch und eine intensive An– und Verbindung von Altort und neuem Gebiet kann entstehen. Damit wird der dörfliche Gemeinschaftscharakter bewahrt und das Dorf als Ganzes gestärkt! 

    Alternative Wohnformen für unterschiedliche Bedarfe 

    Als weiteren Aspekt für eine zukunftsorientierte Siedlungsentwicklung kann und muss der Wohnungsmarkt um ein zeitgemäßes Angebot für den Bedarf von Familien, Wohngemeinschaften, jungen und älteren Menschen erweitert werden. Das reine Einfamilienhausgebiet (EFH-Gebiet) ist nicht mehr die Wohnform der Zukunft – auch nicht im ländlichen Raum. Vor allem aufgrund des demographischen Wandels ist diese strukturelle Veränderung zu berücksichtigen. EFH entsprechen heute nicht mehr den pluralistischen Ansprüchen differenzierter Lebensverhältnisse und begrenzen Kommunen in Art und Anzahl der Zuzügler. Durch eine große Bandbreite an unterschiedlichen Wohnformen können verschiedenste Wohnbedürfnisse für alle Altersklassen und Lebensentwürfe befriedigt werden und es kann – wie seit jeher in gewachsenen Siedlungsstrukturen - eine durchmischte Bewohnerstruktur erreicht werden. Gerade diese demographisch breite Struktur bringt, neben Einrichtungen des täglichen Bedarfs, Lebendigkeit in ein Neubaugebiet¹⁵. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Wohnform „Wohnungen auf der Fläche“ – d.h. Wohnungen (zur Miete und zum Kauf) unterschiedlichster Größenordnungen die in den Dörfern vorgehalten werden. Die Umsetzung kann durch kommunalen Wohnungsbau oder einen privaten Bauträger erfolgen. Sie sind seit Jahren von allen Altersklassen gefragt – aber häufig nicht vorhanden. Dies begünstigt die Abwanderung in die regionalen Zentren, denn dort besteht zumindest ein Angebot von kleinen Wohneinheiten bzw. Mietwohnungen. Die Abwandernden sind oftmals junge Menschen, die gerne im Ort verbleiben würden, sich aber ein Haus nicht leisten können oder wollen. Diese Generation Y möchte häufig kein Wohneigentum, sondern flexibel leben¹⁶. Sie sind jedoch in die sozialen Strukturen fest eingebunden, haben ihren Freundeskreis, ihre Familie und ihre Vereinszugehörigkeit im Ort. Ältere Bewohner*innen können die großen Anwesen und Häuser teilweise nicht mehr bewirtschaften und benötigen  altersgerechte, barrierefreie Wohnformen. Für viele Bewohner*innen, Jung und Alt, stellt damit ein reines Einfamilienhausgebiet heute keine adäquate Wohnmöglichkeitmehr dar – Wohnungen, angepasst an unterschiedliche Bedürfnisse, werden dringend benötigt. Die Zentren wachsen stetig (hinaus in die Fläche), die umliegenden Dörfer verlieren dagegen ihre Einwohner*innen¹⁷. Eine Krux, die u.a. durch den bereits angesprochenen privaten und/oder kommunalen Wohnungsbau vermieden werden könnte. Wie dem Flächenfraß durch Einfamilienhausgebieten entgegengewirkt werden kann, zeigen Konzepte zu alternativen Wohnformen und Nachverdichtung des Wessobrunner Kreises (vgl. Abbildung 5). Im Jahr 2018 wurde der Beitrag des Wessobrunner Kreises mit dem Titel „lebenswert. Familientaugliche Wohnungen statt Einfamilienhäuser“ im Rahmen des bundesweiten Wettbewerbs des Fonds für Nachhaltigkeitskultur im Rahmen von #Tatenfürmorgen
    (Bundeskanzleramt) prämiert. Hierbei sollten neue Ideen zu nachhaltigen Projekten eingereicht werden.

    Fazit

    Es ist Tatsache, dass neue Quartiere in Städten bereits nach diesem Schema (unterschiedliche und alternative Wohnformen, nachhaltiger Umgang mit Fläche und ein Mix aus Wohnen und Leben) geplant werden¹⁸. Im kleineren Stil ein innovativer, zukunftsweisender und sicher lohnenswerter Ansatz auch für Dörfer im ländlichen Raum. Wenn wir unsere ortsspezifische Identität erhalten wollen, müssen wir an den richtigen Orten mit einer zeitgemäßen Gestaltung – die sich an den lokalen Traditionen orientiert – bauen! Wir brauchen Gebäude, die einen baukulturellen Beitrag in der Region leisten. Und wir brauchen diese Gebäude nicht nur in den Ortskernen, sondern vor allem auch in den Neubaugebieten am Ortsrand! 

    Wenn wir unsere Dörfer zukunftssicher gestalten wollen, müssen wir den ausdifferenzierten Wohnansprüchen der Bevölkerung – auch auf dem Land – gerecht werden. Eine individuelle Lebensgestaltung und notwendige Mobilität von Fachkräften verlangt nach einer Vielfalt von Wohnangeboten. Heute reicht das EFH-Gebiet als prägende Siedlungsstruktur nicht mehr aus, um Menschen im ländlichen Raum zu halten oder anzuziehen. Die Wohnbedürfnisse variieren zunehmend aufgrund der Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt (Flexibilität und Mobilität), der späteren Familiengründungen, des Wohnens und Arbeitens an mehreren Standorten, der individuellen Lebensgestaltung, des Wandels traditioneller familiärer Strukturen und aufgrund des demographischen Wandels. Zudem ist das EFH nur in einem bestimmten Lebensabschnitt sinnvoll ausgenutzt. Nämlich während der familiären Phase, wenn die Kinder über ca. 20-25 Jahre im Elternhaus wohnen¹⁹. Ein Ansatz für eine intelligente, den Zeichen der Zeit folgende Siedlungsentwicklung: Die Semmel-Lösung! Dörfer betreiben vorrangig Innenentwicklung! Wenn alle Mittel ausgeschöpft und trotz alledem keine Reaktivierung der Innenentwicklungspotentiale möglich war, dann können neue Baugebiete ausgewiesen werden.

    Diese zeichnen sich aus durch:

    1. vielfältige Wohnangebote(Mehrgenerationenhäuser, Geschosswohnungsbau, Senioren-WG´s, unterschiedliche Wohnungsgrößen, Wohnungen und Häuser zum Kauf und zur Miete, EFH, Mehrfamilienhäuser, Wohnungen für Leben und Arbeiten u.a.)
    2. eine entsprechende Gestaltung öffentlicher Flächen und Bereiche als Treffpunkte (Straßenraum, Straßenführung, Freiflächen für alle Generationen, Spielplätze, gemeinschaftlich genutzte
      Gartenanlagen u.a. sichern eine soziale Anbindung an den Ortskern)
    3. eine Ansiedlung von notwendiger Infrastruktur (sofern im Altort nicht vorhanden, sind hier Kindergärten, nicht störende Gewerbebetriebe, Nahversorgungseinrichtungen, Dienstleistungsbetriebe, Büros, Co-Working, Arztpraxen, soziale und kulturelle Einrichtungen u.a. – ein Mix aus Wohnen und Leben – möglich und sichern eine strukturelle Anbindung an den Ortskern)
    4. eine Orientierung an der regionalen Baukultur (durch eine zeitgenössische und moderne Umsetzung der Bauten, die sich an regionalen Vorgaben orientiert, kann die Kultur und das typische Erscheinungsbild der Region erhalten und eine Anbindung an den Ortskern auch visuell hergestellt werden. Der Flächenfraß kann durch eine verdichtete Bebauung minimiert werden).
    5. einen nachhaltigen Umgang mit der begrenzten Ressource Boden (durch eine Auflösung des reinen EFH-Gebietes, welches ohnehin nicht mehr den modernen Ansprüchen an differenziertem Wohnraum gerecht wird, kann erheblich versiegelte Fläche gespart werden.

    Siehe hier die Auflistung der vielfältigen Wohnangebote. Zudem kann durch kommunale Gestaltungssatzungen unversiegelte Fläche rund um die Bauten festgesetzt werden, bspw. Vorgärten, Hofeinfahrten u.a.). Diese sozial tragfähige Lösung schließt das neue Baugebiet an den historischen Ortskern an und hilft das Dorf als Ganzes strukturell zu entwickeln. Damit wird aus einem ehemals typischen Wohngebiet nicht nur eine reine „Schlafstätte“, sondern ein Lebens(werter)-Bereich! 


    ¹ https:/ /www.landesentwicklung-bayern.de/flaechenspar-offensive/: Im Koalitionsvertrag für die Legislaturperiode 2018 – 2023 wurde unter Punkt 2 „Für eine gesunde
    Umwelt“ eine deutliche und dauerhafte Senkung des Flächenverbrauchs im Freistaat sowie ein Bekenntnis zum Reduktionsziel der Bundesregierung für den Flächenverbrauch auf 30 ha pro Tag bis 2030 vereinbart. Zur Umsetzung dieses Anliegens wurde die Einführung einer Richtgröße für den Flächenverbrauch (Siedlungs- und Verkehrsfläche) von 5 ha pro Tag im Bayerischen Landesplanungsgesetz (BayLplG) vereinbart, die durch gemeinsam mit den Kommunen entwickelte Steuerungsinstrumente
    erreicht werden soll
    ² Vgl. Miosga, Manfred et al.: Wohnen im ländlichen Raum. Wohnen für alle. Bedarfsgerechte und (flächen)nachhaltige Planungs- und Umsetzungsstrategien für den
    Wohnbedarf der Zukunft, München: rehm Verlag, 2019, S. 12 oder das Innenentwicklungsmanagement des Landkreises Donau-Ries. Online unter: www.donauries.bayern/wohnen
    ³ Eigentümerbefragung im Landkreis Donau-Ries 2015 u. 2017
    ⁴ Vgl. dazu Gastbeiträge der Stadt- und Kreisheimatpfleger Dr. Wilfried Sponsel, Herbert Dettweiler und Karl Uhl im Landkreis Donau-Ries 

    ⁵ ebd.
    ⁶ Vgl. Becker/Karaciyan/Koch/Rüscher/Villnow, Nachhaltige Stadtentwicklung als Erfolgsrezept für die Vitalisierung von Großwohnsiedlungen? 2001, S.8: Die einzelnen Standorte für Wohnen, Arbeiten, Versorgen und Erholung entfernen sich zunehmend, sodass separierte “monofunktionale Nutzungseinheiten” (Materialien des IRS: Grundzüge einer nachhaltigen Siedlungsstruktur- und Stadtentwicklung in den neuen Ländern, Erkner 1997: 13) v.a. am Stadtrand entstehen. Diese Suburbanisierung stellt aufgrund der negativen Auswirkungen auf Ökologie, Wirtschaft und die sozialen Aspekte eine Fehlentwicklung der Siedlungsstruktur dar, da sie in Bezug auf die Ökologie, die Wirtschaft und soziale Aspekte negative Auswirkungen hat, in deren Folge die Verkehrsbelastungen und die Abwanderung ins Umland weiter anwachsen, wenn neue Leitbilder der Siedlungsstruktur nach kompakten, dichten und gemischten Siedlungsstrukturen keine Durchsetzung erfahren.
    ⁷ Vgl. hierzu: https://www.sindelfingen.de/site/Sindelfingen-Internet/get/params_E1607356961/15756995/Gestaltungshandbuch_Allmendaecker-II.pdf
    Bayerische Bauordnung 2021: https://www.stmb.bayern.de/buw/baurechtundtechnik/bauordnungsrecht/bauordnungundvollzug/index.php
    ⁸ Vgl. dazu den Beitrag „Folgekostenschätzer“.
    ⁹ Vgl. Planen und Bauen im ländlichen Raum, Bayerisches Staatsministerium des Innern, Oberste Baubehörde, 1982
    ¹⁰ Vgl. Nagel, Reiner et al.: Mitten in Bayern, München: DETAIL Business Information GmbH, 2020, S. 24.
    ¹¹ Vgl. Nagel, Reiner et al.: Mitten in Bayern, München: DETAIL Business Information GmbH, 2020, S. 24.
    ¹² Vgl. Bosse, Claudia/Gruber, Roland/Kroiß, Korbinian et al.: Wohnen im ländlichen Raum. Wohnen für alle. Bedarfsgerechte und (flächen)nachhaltige Planungs- und Umsetzungsstrategien für den Wohnbedarf der Zukunft, München: rehm Verlag, 2019, S. 13 f.
    ¹³ Vgl. Planen und Bauen im ländlichen Raum, Bayerisches Staatsministerium des Innern, Oberste Baubehörde, 1982
    ¹⁴ ebd.

    ¹⁵ Vgl. hierzu: https://www.sindelfingen.de/site/Sindelfingen-Internet/get/params_E1607356961/15756995/Gestaltungshandbuch_Allmendaecker-II.pdf
    ¹⁶ Vgl. hierzu: https://rp-online.de/advertorial/schaffrath/schaffrath-serien/wohnen-der-generationen/die-generation-y-lebt-anspruchsvoll-aber-flexibel_aid-34456083

    ¹⁷ Vgl. hierzu: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/serie-agenda-2020-die-deutschen-zieht-es-in-die-grossstaedte-mit-drastischen-folgen-fuer-laendliche-regionen/22892086.html?ticket=ST-8367028-Y62U1wbcSCyptEcz0BF-ap6
    ¹⁸ Vgl. Planungen des Alfred-Delp-Quartiers in Donauwörth.
    ¹⁹ Vgl. Miosga, Manfred et al.: Wohnen im ländlichen Raum. Wohnen für alle. Bedarfsgerechte und (flächen)nachhaltige Planungs- und Umsetzungsstrategien für den
    Wohnbedarf der Zukunft, München: rehm Verlag, 2019, S. 1 ff.