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    Erna Dirschinger, musikalisches Multitalent aus Buchdorf

    „Man bekommt im Leben nicht das, was man verdient hätte“

    Wer Erna Dirschinger singend und Instrumente spielend erlebt, dem fällt – außer ihrem Talent – zuerst ihre positive Ausstrahlung aus. Jeder Blick, jede Geste zeigt Dankbarkeit und Glück. Kein Wunder mit so einer Stimme, mag man meinen, und nach 37 erfolgreichen Jahren als Buchdorfer Zwoigsang gemeinsam mit ihrer Mutter Maria Eisenwinter. Was viele nicht wissen: Erna Dirschinger hat extrem harte Zeiten hinter sich. „Man bekommt im Leben nun einmal nicht das, was man verdient hätte“, meint sie heute fein lächelnd, „aber aus dem, was man bekommt, kann man ja das Beste machen.“
    In Donauwörth als Älteste von fünf Kindern geboren, wollte das Mädchen Erna Landwirtin werden, genau wie ihre Eltern. „Doch der Pfarrer hat gemeint, die muss weg“, sagt sie rückblickend – „weg“ hieß: aufs musische Gymnasium und ins Internat nach Dillingen. Dort bekam Erna Dirschinger Klavierunterricht, freilich nur drei Jahre lang. Der Grund: Am Wochenende spielte sie in ihrer Heimatgemeinde die Orgel, leitete zudem einen Kirchenchor. Die Buchdorfer liebten das, ihre Klavierlehrerin weniger. „Als ich elf war, lehnte sie ab, mich weiter zu unterrichten, denn ich hatte mir an der Orgel den Anschlag versaut“, berichtet Dirschinger. Fortan entwickelte sie sich ohne Lehrer musikalisch weiter – auch im Gesang und mit Flöte, Zither, Hackbrett, Gitarre, Posaune und Trompete.
    Das Abitur „versaute“ sich Erna Dirschinger mit ihrer ersten Schwangerschaft. Sohn Nummer eins brachte sie mit 17 zur Welt. Fortan widmete sie ihr Leben der Familie und der Musik, bekam drei weitere Söhne. 1980, bei der Hochzeit eines Cousins, fiel der Startschuss für die vielen Auftritte als Buchdorfer Zwoigsang. Dirschinger und Eisenwinter begeisterten überall in der Region mit ihrer Kirchen- und Volksmusik. Auch als Organistin und als Fachlehrerin für Musik bekam Dirschinger sehr gute Resonanz. Dafür wurde ihre Ehe immer unglücklicher. Nach langem Kämpfen und Leiden reichte Dirschinger die Scheidung ein.
    „1992 war mein Schicksalsjahr“, sagt sie heute. „Plötzlich redeten die Nachbarn nicht mehr mit mir. Wie konnte ich als katholische Frau und Mutter von vier Söhnen mich scheiden lassen!“ Zum Glück blieben ihr die Liebe ihrer Eltern, der Glaube, die Musik. Das half ihr auch durch ihre erste Krebserkrankung, die ebenfalls 1992 diagnostiziert wurde. Doch etwas Schönes geschah im selben Jahr: Bei einer Wallfahrt nach Lourdes lernte Dirschinger den damaligen Direktor der Stiftung St. Johannes in Schweinspoint kennen. 23 Jahre lang arbeitete sie fortan für die Stiftung, erst als Beschäftigungstherapeutin, später als Leiterin des Bereichs Bildung, Freizeit und Öffentlichkeitsarbeit und als Chorleiterin. Es kamen immer wieder harte Zeiten, räumt sie ein. Noch zweimal musste sie gegen den Krebs kämpfen, einer rheumatischen Erkrankung wegen ist sie jetzt in Rente.
    Doch die 60-Jährige weigert sich dagegen, sich unterkriegen zu lassen. Sie lenkt den Blick auf die guten Tage. „Mit dem Behindertenchor Schweinspoint aufzutreten, zum Beispiel im Kaisersaal in Kaisheim, war immer wieder sehr bewegend“, sagt sie. „Und mit alten und sterbenden Menschen zu singen. Zu spüren, man kann ihnen noch etwas mitgeben.“ Kraft schöpft sie beim Passionssingen, bei den Singnachmittagen in der Bäldleschweige … Überall, wo Musik die Herzen berührt, fühlt sie sich glücklich, so Dirschinger. Und vom Glück will sie anderen abgeben: Mit den Einnahmen unterstützen sie und ihre Mama unter anderem die Palliativstation Nördlingen, den Verein Glühwürmchen und die Renovierung der Schwennenbacher Wallfahrtskirche.
    War aus Buchdorf wegzugehen denn nie eine Option? Dirschinger schüttelt den Kopf, dass die Locken nur so fliegen. „Hier bin ich zuhause. Schon 1985 habe ich gedichtet: Buchdorf, ich lieb dich so. Unser Dorf ist eines mit Geschichte, liegt an der alten Salzstraße. Wenn man nur wenige Kilometer fährt, an die Mündung von Donau und Wörnitz, da ist es so schön, da kann ich lange verweilen. Auch die Flora hier gefällt mir sehr.“ Außerdem, betont sie, kann sie nun für ihre Enkelkinder da sein – Nummer zwölf, Johanna, kam am 16. Februar zur Welt. „Und solange ich auf die Orgel raufkomme und singen kann“, sagt Erna Dirschinger mit leuchtenden Augen, „mach ich das auch weiter.“