Regionalportal Donau-Ries
Regionalportal Donau-Ries
  •  
    Winter_Reimlingen011.jpg
    Orkan Wurzelstock, Dieter Möhle.jpg
    Winter_Reimlingen006.jpg
    Romant.Weihnachtsmarkt (21).JPG
    Bei_Ebermergen_026.jpg
    Winterwald.jpg
    Wintersee_Boot.jpg

    weitere Sagen

    Bissingen: Beim „Fräle“

    Wenn man hinter Zoltingen die Zehentwiesen durchquert und am Köhrlesbach hinauf in den Wald hineinspaziert, dann kommt man an einen steilen, zum Teil mit Buchen bestandenen Felshügel. Diese Stelle heißt im Volksmund „Beim Fräle“. Dort soll in hellen Mondnächten die Gestalt eines wunderschönen Mädchens zu sehen sein.


    Vor vielen Jahren lebte in Zoltingen ein glückliches Liebespaar. Bursch und Mädchen waren zwar gleich arm, aber bei ihrem Fleiß und ihrer Beharrlichkeit durften sie hoffen, einmal zufrieden ihren gemeinsamen Lebensweg gehen zu können. Doch das Schicksal wollte es anders.


    In einem ungewöhnlich warmen Sommer waren die Kesseltaler Wälder mit schmackhaften Erdbeeren gesegnet wie nie zuvor. Jung und alt strömten hinaus zur Beerensuche, nur die beiden jungen Liebesleute waren als Dienstboten bei ihrem Bauern den ganzen Tag mit ihren Stall- und Feldarbeiten eingespannt. Daher erbot sich der Bursche, in einer hellen Mondnacht seiner Liebsten einen Topf der duftenden Früchte zu pflücken. Wie von einer dunklen Vorahnung gewarnt, suchte ihn das Mädchen von seinem Vorhaben abzubringen. Der Bursche machte sich aber trotzdem auf den Weg. Vor Mitternacht wollte er längst mit dem vollen Topf zurück sein.


    In banger Sorge wartete das Mädchen Stunde um Stunde. Aber ihr Liebster blieb für immer verschollen. Sein Hut, der zerbeult an einem Felszacken hing, war trotz langen Suchens alles, was von dem armen Burschen gefunden wurde. Seit dem Verlust ihres Geliebten versank das lebensfrohe Mädchen immer mehr in Trübsal, seine Schönheit welkte dahin, und noch bevor wieder die Erdbeeren reiften, trug man das arme Mädchen zu Grabe. In mondhellen Sommernächten aber, besonders zur Zeit der Beerenreife , verläßt die Tote ihr Grab, geht hinaus zu jenem Felshügel und sucht immer noch untröstlich nach ihrem Geliebten.

    Bissingen: Der Schuster mit dem geheimnisvollen Edelstein

    Vor langer Zeit lebte in Diemantstein im oberen Kesseltal ein armer Schuster. Wenn im Jahreslauf die Tage kürzer geworden waren und das Dörflein in beschaulicher Ruhe lag, arbeitete er noch lange bis tief in die Nacht hinein in seiner Kammer. Die Leute rätselten gar oft über das Werken des Mannes, wie dies in den dunklen Stunden noch möglich sein könne, gab es doch noch lange kein elektrisches Licht, und im Schein einer müden Talgkerze wäre der Umgang mit der Ahle, dem feinen Schusterdraht und den winzigen Holznägeln gar nicht denkbar gewesen.


    Eines Tages aber begab es sich, daß ein edler Reiter, der sich in der Dunkelheit verirrt hatte, nach langem Umherirren nach Diemantstein kam. Ein hell erleuchtetes Fenster eines kleinen und strohgedeckten Häuschens hatte ihm den Weg hierher gezeigt. Erregt von dem ungewöhnlichen Schein stieg er sogleich von seinem Pferd und blickte in die Stube. Zu seinem Erstaunen sah er einen Schuster in seiner hellerleuchteten Werkstatt fleißig arbeiten. Doch es war nicht das Licht einer Kerze oder einer einfachen Öllampe, sondern die strahlende Helligkeit eines funkelnden Edelsteines.


    Ganz überwältigt von der Pracht des herrlich blinkenden Diamanten, bat der fremde Reiter um Einlaß. Von der Rechtschaffenheit des nach der Art hoher Adelsleute gekleideten Herren überzeugt, öffnete sogleich der Schuster bereitwillig und bat den Gast einzutreten. Tausend Entschuldigungen brachte er vor wegen der einfachen und ärmlichen Kammer.


    Der Fremde aber wehrte großmütig ab, ging voller Ehrfurcht auf den hell leuchtenden Edelstein zu und bat den Schuster, er möge ihm diesen verkaufen und bot ihm eine hohe Summe Geldes dafür. Der Schuster aber schlug das Angebot aus, doch als der feine Herr einen überaus hohen Preis als Erlös vorschlug, wurden die beiden doch noch handelseinig. Mit Worten großer Dankbarkeit verabschiedete sich der Reiter, und beglückt ritt er unter dem Schein des Diamantsteines in die Dunkelheit der Nacht hinein.

    Der Schuster aber war von Stund an ein reicher Mann. Da er nicht mehr zu arbeiten brauchte und ein geruhsames Leben führen konnte, waltete über ihm lange Zeit ein Geheimnis, daß die Leute im Dorf seinetwegen die Köpfe zusammensteckten. Allmählich aber kam die Sache doch an das Tageslicht, und die Kunde verbreitete sich rasch von Ort zu Ort. Wann immer die Rede auf den reich gewordenen Schuster in dem kleinen Dorf im Kesseltal kam, wußte man, daß der Name Diemantstein von dem schönen und wertvollen Diamantstein herrührte.

    Donauwörth: Die Maikäfer-G'schicht…

    Einst gab es in und um Donauwörth eine große Maikäferplage. In der Not versammelte sich der ehrwürdige und weise Rat und beriet tagelang, was zu tun sei. Eine schnelle Lösung musste her, denn die bevorstehende Obsternte war bedroht. Da kam dem Schlauesten von ihnen die rettende Idee. Statt der Schule sollten die Kinder in die Gärten geschickt werden, um dort die gefräßigen Maikäfer zu sammeln.


    In der frühen Morgenstunde, als die Käfer noch starr und steif von der Morgenkühle waren, machten sich die Kinder auf und hatten bald alle Säcke, Körbe und Kisten mit den Maikäfern gefüllt. Da tauchte ein neues Problem auf! Wohin damit? Diverse Vorschläge wurden gemacht, verfüttern an die Hühner, allerdings gab es nicht so viele Hühner, ertränken in der Donau, das wollten die Fischer allerdings nicht. Da fiel dem Gescheitesten aller Gescheiten ein, man könne die Maikäfer doch auf einen Haufen werfen und verbrennen. Man schichtete fleißig Holz auf, entleerte darüber die Maikäfer-Säcke, Kisten und Körbe und zündete den Scheiterhaufen an. Aber was geschah? Die Wärme war für die Käfer eine wahre Wohltat, sie erwachten von ihrer morgendlichen Starre, breiteten ihre Flügelchen aus und flogen unter lebhaftem Gebrumm munter davon… Oh herrjeh! … Man kann sich die verblüfften Gesichter der Bürgerleut‘ vorstellen.

    Harburg: Der Schatz von Mauren

    Im Maurener Berg ist eine Höhle, von der erzählt wird, dass sich in ihr jedes Jahr in der Heiligen Nacht ein Tor öffne. Hinter ihm befänden sich unermessliche Schätze von Gold, Silber und Edelsteinen. Sobald der Pfarrer in Mauren am Heilig Abend das Evangelium zu lesen beginnt öffnet sich das Tor. Wenn die frohe Botschaft von der Geburt Christi verklungen ist schließt es sich wieder. Der Hirte von Rohrbach wollte einmal diese Gelegenheit nutzen um Reich zu werden, und sah auch wirklich die Schätze im Schein seiner Laterne. Jedoch konnte er sich nicht entscheiden, schließlich wollte er etwas besonders Wertvolles mitnehmen. Davon verstand er jedoch nicht so viel. Während er noch überlegte begannen sich die Türflügel bereits wieder zu schließen. Der Hirte konnte gerade noch sein eigenes Leben retten.

    Deiningen: Der Pyramidenturm

    Wer nach Deiningen geht, dem zeigt sich schon von weitem ein Gebäude unweit der Kirche des Dorfes, welches über alle anderen bedeutend hervorragt. Es sieht einem alten Schlößchen ähnlich und bildet jetzt den katholischen Pfarrhof. Von dem schlößchenartigen, offenbar sehr alten Hauptgebäude aus, führt eine alte, hohe Mauer um den ganzen Hof herum. Auf der Mauer ist ein galerieartiger Gang teilweise noch erhalten. An dieser Mauer, oder in dieser Mauer nun, erhebt sich der sogenannte Pyramidenturm, ein kleiner, ganz aus gebrannten Steinen bestehender, spitzig zugehender Turm.
    Die Tempelherren, ein mittelalterlicher Ritterorden, sollen in diesem Gebäude gelebt haben; daher die hohe Mauer, das festungsartige Haus und namentlich der sonderbare Turm in der Mauer.


    Hier sollen einst vier Templer ermordet worden sein. Sie waren, wegen ihrer Reichtümer verfolgt, hierher geflüchtet. In dem Turm fühlten sie sich sicher vor jedem Feind. In der Nacht, als alle fest schliefen, ermordete sie, beutegierig, der eigene Diener. Doch die Strafe blieb nicht aus; vergebens hatte die verruchte Hand die fürchterliche Tat vollbracht, der Schatz der Ordensritter – es sollen vier oder noch mehr Millionen gewesen sein, - war nicht zu finden; er ruht noch tief verborgen im dunklen Schoß der blutgetränkten Erde. Noch heute geht in der Mitternachtsstunde der Mörder im Turm umher, den so gut verborgenen Schatz zu suchen – doch immer vergebens.

    Wechingen: Der schlagfertige Rieser

    Lang schon ist´s her! Da saßen in Wechingen einige Reisende am „Tisch der Bevorzugten“ im stattlichen Wirtszimmer der Brauerei. Sie hatten keine Lust mehr, von Haus zu Haus zu gehen, um Kundschaft zu gewinnen, und zechten lieber. Man „dischkerierte“, kam vom Hundertsten zum Tausendsten, von der Wirtschaftslage zur hohen Politik, vom Einzelnen zum Allgemeinen, vom Dorf zur Stadt und zum Kreis; sogar die Stammeszugehörigkeit und ihre Vorzüge wurden besprochen. Auch zwei alte Bauern, die sich zwischendurch schnell eine Halbe genehmigten, wurden in den „Dischkurs“ einbezogen.


    „Wir“, sagte einer der Fremden, wohl ein waschechter Nürnberger Franke, als den ihn sein Mundweg untrüglich auswies, „sind edle Leute. Das edelste Blut unter allen deutschen Stämmen fließt durch unsere Adern! Unsere Ahnen waren die Blüte des Deutschen Reiches und ohne uns Franken hätte Deutschland keine so glanz- und glorreiche Geschichte. Das Fränkische Kaiserhaus leitete Jahrhunderte hindurch die Geschicke des Reiches, und die fränkischen Edlen waren die Zierde des Deutschen Adels. – Nun, ihr Schwäble, könnt ihr darauf noch etwas sagen? Erklärt Euch, ich bin gespannt!“
    Der „Schimmelwirt“, der alles mit angehört hatte und mit solchen Aufschneidern auch umzugehen wußte, antwortete für seine angesprochenen Nachbarn, indem er ihnen verschmitzt zuzwinkerte: „So, so! Jawohl! Bedenk er doch das uralte Wort:

    Aus der Schwaben Gestank
    Entstand der edle Frank!“

    Eine solche Schlagfertigkeit hätten die Nürnberger von den Schwaben nie und nimmer erwartet! Für sie war es höchste Zeit, das Dorf und das Ries für immer zu verlassen. Wären sie dennoch wieder gekommen, der Spott wäre ihnen sicher gewesen, denn die Kunde von diesem Schwabenstücklein hatte sich rasch herumgesprochen und die Krämer, die Schneider und Näherinnen kauften fortan ihre Waren ebensogut von Handelsleuten aus dem Schwabenland.

     

    Wolferstadt Die weiße Frau vom Uhlberg

    Auf dem Uhlberg, etwa 7 Kilometer westlich von Treuchtlingen, steht tief im Wald eine vergessene, verrufene Kirchenruine. Gottlos schon seit langem, ist sie in den letzten Jahren sogar zu einem nächtlichen Treffpunkt für Satanisten geworden.


    Vor über 800 Jahren gründeten Benekdiktinerinnen auf dem Uhlberg ein kleines Kloster. Auch einige Bauern siedelten siedelten sich in einigen Weilern, wie in den noch heute bestehenden Siebeneichhöfen, im weiteren Umkreis der entlegenden Klause an. Allmählich entwickelte sich der Uhlberg zum Wallfahrtsort, der Grund war eine Madonnenfigur, die sogenannte "Mondsichel-Madonna", die dort oben aufgestellt war. Im Jahre 1466 des Herrn wurde auf Veranlassung des Papstes auf dem Berg eine Kirche gebaut, die die Marienfigur beherbergen sollte. Dies war die Kirche, deren verfallene Mauern wir heute noch im Walddickicht finden können. Doch diese glücklichen Tage sind lange vergangen.


    Im großen Bauernkrieg 1525 wurde die Kirche dann geschleift und entheiligt, und das blieb sie bis zum heutigen Tag. Auch die legendäre Madonnenfigur war bald verschollen (einige Jahre soll sie noch in einem Gasthaus gestanden haben).


    Seitdem raunen viele Sagen um den verwunschenen Ort. Es soll nachts eine weiße Frau in der Ruine herumspuken. Außerdem heißt es, habe am Fuß des Berges die legendäre Römerstadt Aureum gelegen.

    Monheim: Die Herrgottsbader

    Die Monheimer machten einmal eine Wallfahrt nach Wemding. Da die Straße recht staubig war, so wurde das Christusbild, das man vorantrug, ganz mit Staub bedeckt. Die wackeren Monheimer schämten sich, daß sie mit einem staubigen Herrgott in Wemding einziehen sollten, und badeten denselben in dem nahen Johannisweiher. Davon heißen sie die „Herrgottsbader“ bis auf den heutigen Tag.

    Marxheim: Sage über die Altwasser der Ruine

    Hoch über den Altwässern der Donau befinden sich die Überreste des Ansitzes des ehemals hochadeligen Geschlechts der Grafen von Lechsgemünd-Graisbach; 1248 zerstört und heute nur noch als Burgstall erhalten. 1133 stiftete Graf Heinrich II. von Lechsgemünd das Kloster Kaisheim und um 1240 war es Graf Berthold III. von Lechsgemünd-Graisbach, der zusammen mit seiner Gemahlin Adelheid Kloster Niederschönenfeld gegründet hatte.
    Doch dieser Graf Berthold scheint sein Geld nicht immer auf ganz ehrliche Art verdient zu haben. Nach einer Sage nämlich sperrten die Ritter der Veste Lechsgemünd die Donau mit langen Ketten und machten sich so die Schätze zu eigen, die von den Ulmer und Regensburger Kaufherren auf dem Fluß verfrachtet wurden. Aber Gottes Urteil kam über sie und, so wird erzählt, ihre stolze Burg wurde durch Feuer in einen Schutthaufen verwandelt. Die tatsächlichen geschichtlichen Ereignisse führten zum gleichen Ereignis. Da Berthold durch hohe Zölle den Donauhandel der Regensburger behinderte, zerstörten diese 1248 seinen Stammsitz.
    Glaubt man allerdings einer Mär aus der Mitte des 18. Jh., so waren nicht die Domstädter schuld am Untergang der "Oedenburg" in Lechsgemünd. Dort hauste nämlich einst der überaus vermögende Graf Berthold, dessen Hochmut weder Maß noch Ziel kannte. Seine Hunde, so berichtet die Sage weiter, sollen Edelsteine an den Halsbändern getragen haben und die Pferde waren mit goldenen Hufeisen beschlagen. Nicht weniger glänzend sollen Rüstungen, prachtvolle Feste und Turniere gewesen sein. "Man tanzte, trank, spielte, lachte und scherzte. An die Zukunft dachte niemand". Doch eines Tages wurde die Stätte der Üppigkeit von einem Pilger, der vergebens um Nachtlager und Speise gebeten hatte, verflucht: Mitten während des Zechgelages versank die Burg in den Abgrund.

     

    Hohenaltheim: Das geheimnisvolle Licht

    Unter dem Kaiserreich der Hohenstaufen waren die edelfreien Herren von Hürnheim wohl die vornehmsten und getreusten Untertanen. Zum ersten Mal nennt sie eine Urkunde von 1153 als Adelige mit ansehnlichen Besitzungen in der näheren und weiteren Umgebung ihrer Burg, dem Niederhaus. Durch Erbteilungen entstanden kurz nacheinander die Linien Hürnheim-Hochhaus, Hürnheim-Rauhaus und Hürnheim-Katzenstein und später dann noch Hürnheim-Hochaltingen. Ihr Geschlecht erlosch im Mannesstamm 1585 mit Hans Johann von Hürnheim-Hochaltingen, dessen schöne Grabplatte zusammen mit einer Reihe anderer Denkmäler für Angehörige seines Geschlechts im Chor der Kirche zu Hochaltingen noch zu sehen ist. Viele ehrsame und bedeutende Leute sind aus den Hürnheimern hervorgegangen, die entweder mit Reichsämtern bedacht waren oder als bedeutende geistliche Würdenträger zu hohen Ehren kamen.


    Burg Katzenstein im nahen Württemberg ist von allen Hürnheimischen Besitzungen noch am besten erhalten. Die schönste und größte aber war Burg Hochhaus im lieblichen Kartäusertal, von der heute freilich nur noch ein Teil des Palas und einige Mauerreste von Wehrtürmen erhalten geblieben sind.
    Um dieses Hochhaus weiß die Sage zu erzählen, daß unter ihren Trümmern ein Schatz verborgen liege und der Geist eines einstigen Burgherren umginge. Auch könne man zu nächtlicher Stunde über dem Gemäuer ein geheimnisvolles Licht sehen.


    Nun lebte in dem nahegelegenen Dorf Hürnheim ein Müller, der durch die schrecklichen Nöte des Dreißigjährigen Krieges in große Armut geraten war. Auch seine Mühle hatte Schaden gelitten, den er nun mit geborgtem Geld beheben wollte. Doch die hohen Zinsen verschlangen mehr als den Gewinn, so daß er, seine Frau und sein Töchterlein Hunger leiden mußten. Das Mädchen, das erst zwölf Jahre alt war, wollte sich zur Linderung der Not als kleine Magd verdingen, aber vergebens blieben alle Bitten um Arbeit und Verdienst bei den Nachbarn und Bauern im Dorf.
    In diesem bitteren Elend wollte das Klagen der Müllersleute kein Ende nehmen. Eine bittere Wehmut griff dem Mädchen mehr und mehr an sein liebendes Herz. Schließlich wagte es, seine Eltern zu fragen, wie es denn wäre, den verborgenen Schatz auf der Burg Hochhaus zu heben, damit alle Not ein Ende nehme. Freilich, so meinte es in seinem noch kindlichen Sinne, wäre es nur einer Unschuld vorbehalten, die vielen Dukaten und das lautere Gold aus dem tiefen Versteck unter dem Gemäuer frei zu bekommen. Die Eltern meinten zwar, ihr Töchterlein sei ja noch von reiner Seele, doch wäre es nicht ihre Sache, sich etwa eines Zaubers oder gar einer überirdischen Macht zu bedienen, um zu Geld und Wohlstand zu gelangen.


    In der kommenden Nacht aber, als die Müllersleute schliefen, stahl sich das Mädchen aus dem Hause. Das Erbarmen um die im Elend lebenden Eltern hatte ihm Kraft und Mut gegeben, den Weg zur Burg Hochhaus zu nehmen. Dort angekommen, gewahrte es zunächst das geheimnisvolle Licht und dicht dabeistehend einen gütigen alten Mann. Dieser lächelte freundlich, und voller Zutrauen öffnete ihm das Kind sein Herz und erzählte von der bitteren Not seiner armen Eltern. Der Mann nickte wohlwollend und bat das Kind, ihm zu folgen.


    Das Mädchen tat, wie ihm befohlen war, und sein Staunen wollte kein Ende nehmen, als die zerfallenen Mauern sich auftaten und den Weg in das Innere des Berges freigaben. Plötzlich standen beide in einem von Ruß dicht beschlagenen gewölbten Raum, in dem ein mächtiges Feuer unter einer Schmelzpfanne loderte. Die Flammen schlugen gegen das Gewölbe und weiter hinauf in einen Felsenspalt, wo man sie über der Erde zwischen den Steinbrocken gegen den Himmel lodern und als geheimnisvolles Licht erkennen konnte.


    Etliche Männer standen um die Schmelzpfanne. Sie läuterten alte Münzen darinnen und vermengten sie mit neuem Gold und prägten daraus einen immer größeren Schatz von edlen Dukaten. Der Anblick solch unermeßlichen Reichtums brachte das Mädchen ganz außer sich, daß es meinte, nicht mehr mit der irdischen Welt verbunden zu sein. Ganz in das wundersame Erlebnis versunken, gedachte es sogleich seiner armen Eltern. Angesichts des vielen Geldes faßte es sich ein Herz und bat den gütigen alten Mann, er möge doch Erbarmen haben und ihr für die in Not lebenden Eltern wenigstens einige Goldstücke schenken, damit das ärgste Elend gelindert werden könne. Der Mann aber lächelte wiederum freundlich und verneinte die Bitte. Doch versprach er mit Vertrauen erweckender Stimme, tags darauf einen Boten zu den Eltern in die Mühle nach Hürnheim zu senden, um die erbetenen Dukaten überbringen zu lassen.


    Erfreut über diese gute Rede verließ das Mädchen in Begleitung des Mannes den Berg und fand herzliche Worte des Dankes beim Abschied vom Burgtor. Das geheimnisvolle Licht aber gewahrte das Kind noch lange Zeit, wenn es umblickte, und als es sein Dorf erreichte, leuchtete schon der erste Silberstreif des jungen Tages auf.


    Als die Eltern erwachten, erzählte das Mädchen sein nächtliches Erlebnis und verriet, daß ein Bote kommen und einige Dukaten bringen werde. Am Abend klopfte es dann auch tatsächlich an die Türe, und als der Müller öffnete, trat ein schön gekleideter ritterlicher Herr in die Stube. Das Mädchen erinnerte sich seiner sogleich, gehörte er doch zu jenen Männern, die am Schmelzofen das edle Gold geläutert und zu Dukaten geprägt hatten. Er versicherte, der letzte Burgherr auf Hochhaus zu sein, und sei gekommen, die arge Not der Müllersleute zu lindern. Das aber wäre allein das Verdienst des Mädchens, denn es besäße nicht nur eine reine Seele, sondern echte Kindesliebe.


    Zwei Jahre lang sollten die Eltern über diese gute Tat schweigen, bis er wiederkäme, um die dreitausend Golddukaten zurückzuholen, die er unterdessen auf den Tisch gezählt hatte. Sei ihm das aber nicht gegönnt, möchten sie einen ewigen Jahrestag für seine arme Seele stiften. Kaum hatte er das gesagt, war er auch schon vor ihren Augen verschwunden, ohne daß sie ein Wort des Dankes hätten sagen können, und nie wieder zeigte sich der Ritter von Hochhaus.

    Ederheim: Die Hexen von Christgarten

    Gern hielten die Bauern aus dem oberen Kesseltal in Christgarten am „deckta Bronna“, wenn sie auf dem Heimweg von der Stadt Nördlingen noch einmal rasteten. Das Wasser war zwar kalt, fast zu kalt, doch ein erfrischender Trunk für Mensch und Tier kurz vor dem beschwerlichsten Stück Wegs am Tage konnte nicht schaden! So weit, so gut!


    Doch nachts säuselt und webt es um den Brunnen; es gurgelt und sprudelt und um Mitternacht steigen aus ihm gar Hexen hervor. Schon manchen späten Zecher, der im Dorfwirtshaus verhockte und um diese Zeit den Heimweg antrat, haben sie verkratzt und zerzaust und in den Straßengraben gezerrt! Darum ziehen es Ängstliche vor, ihren Stammtisch schon vor Mitternacht zu verlassen und aufzubrechen.