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    Sagen & Legenden Wemding

    „Es doost scho!“

    Um das Jahr 1500 wuchs die Einwohnerzahl von Wemding immer mehr, so daß der Ort schier aus allen Nähten bzw. der alten Stadtmauer zu platzen drohte; denn gar viele suchten Schutz hinter der Stadtmauer. 

    Neben der spürbaren Raumnot mangelte es gerade in Trockenzeiten an Trinkwasser für Mensch und Tier wie auch an Nutzwasser für die sieben Stadtmühlen. Die Wassernot war umso bemerkenswerter, als damals bereits eine Reihe von Stauweihern zur Wasserversorgung angelegt worden waren.
    Die findigen Stadtväter wußten sich jedoch bald zu helfen. Sie grübelten darüber nach, wie sie das kristallklare Wasser der etwa zwei Kilometer entfernten Doosquelle nach Wemding leiten könnten. Da dieses Wasser bislang nur zur Versorgung der Amerbacher Mühle benötigt wurde und die Quelle sehr ergiebig schien, dünkte den Ratsherren, diese auch für die Stadt zu nützen. Ihr Ansinnen hatte allerdings einen Haken: Das Wasser mußte über einen etwa zehn Meter höher gelegenen Bergrücken geleitet werden – aber wie? Da war in der Tat guter Rat teuer, denn bekanntlich läuft Wasser niemals bergauf!
    Fachkundige Bergbauleute, die von den benachbarten Marmorsteinbrüchen herbeigerufen wurden, wußten alsbald Abhilfe. Sie forderten den Bau eines gemauerten Kanals mit mehreren Kontrollschächten, der im Bereich des Bergrückens bis zu zwölf Meter tief eingegraben werden mußte. Darin wollten sie in einer flach verlaufenden Rinne das kostbare Naß zutal fördern.
    Die Kanalstrecke sollte vom Doosweiher zur Waldlichtung Sandbrunn, über die Waldabteilung Kalköfele und hinunter zum Calvariberg geführt werden. Von dort aus konnte das Wasser wieder in einem offenen Graben der Stadt zugeleitet werden, was zudem keine Kosten verursachte.
    Die Ratsherren gingen auf die für damalige Verhältnisse gewagten Vorschläge ein. War nun ein Teilabschnitt beendet, mußte eine „Fließprobe“ gemacht werden, um zu prüfen, ob das Wasser auch wirklich talwärts in Richtung Wemding läuft.
    Die Arbeiter am Einlaufschacht ließen das angestaute Wasser langsam einlaufen. Dabei riefen sie denen am anderen Ende mit lauthalser Stimme zu: „He, he, `s Wasser lofft scho! Was isch, kommts scho?“
    Die Kanalbauer auf der anderen Seite spitzten daraufhin die Ohren und guckten sich schier die Augen nach dem Wasser aus. Schließlich steckten sie gar ihre Köpfe neugierig in den finsteren Kanal und lauschten noch gespannter. Nach einer Weile vernahmen sie ein erstes zaghaftes Glucksen und bald darauf ein munteres Plätschern und Rauschen es herannahenden Wassers. Erfreut über die geglückte Probe schrien sie ebenso kräftig zurück: „Es doost scho! Es doost scho!“ Was soviel heißt, wie, es rauscht schon. Mit Skepsis und heimlicher Schadenfreude beobachteten Neugierige aus der Umgebung der Stadt den schleppenden Fortgang der schwierigen Bauarbeiten. Zu Hause in den Wirtschaften erzählten sie mit ironischem Unterton von den halsbrecherischen Arbeiten und besonders über das stimmgewaltige Geschrei bei den Fließproben, das weithin durch das Holz hallte. Seit dieser Zeit haben die Wemdinger ihren ulkigen Spitznamen. Man nennt sie spöttisch und neckend „Doosköpf“ bis auf den heutigen Tag.