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    Sagen & Legenden Wemding

    Huaterle

    Quellen und Bäche sind seit urdenklichen Zeiten als Spender des klaren und kühlen Wassers für die Menschen von größter Wichtigkeit. Sie prägten sich daher in besonderer Weise ins Bewußtsein ihrer Anwohner ein. Oftmals wurden ihre lebenserhaltenden und gesundheitsfördernden Kräfte mit einem Quellgeist, einer Wassernixe, einer Nymphe oder einem anderen Fabelwesen in Verbindung gebracht. So geschah dies auch in Wemding mit der bekannten Doosquelle, die etwa 2 km nordöstlich von Wemding mitten im Wald liegt. In der Nähe führen die alten Feldsträßchen bzw. Wege nach Wolferstadt, Steinbühl, Hagau sowie der ehemalige Waldweg nach Amerbach vorüber. Seit vielen Generationen, so weiß man, durchstreift dort das „Huaterle“ zur Abendzeit diese sagenumwobene Gegend und erscheint allen, die noch unterwegs sind. Nach alten Erzählungen ist das „Huaterle“ ein uriges Männle von sehr kleiner und schrumpliger Gestalt. Gekleidet ist es in große weite Gewänder. Seine Schuhe sind breit und ausgetreten und an die Fesseln gebunden. Auf seinem wuscheligen Kopf trägt es einen breitkrempligen Schlapphut mit einer langen, zerschlissenen Fasanenfeder. Es zieht ihn derart tief ins Gesicht, daß das runzlige und faltige Antlitz kaum noch zu erkennen ist. Seine grelle Stimme hat eher einen rauhen, krächzenden Klang, in den sich bisweilen etwas Geheimnisvolles mischt. Einen kräftigen, knorrigen Stecken hält es in seiner Rechten, den es gelegentlich mit drohender Gebärde schwingt. Den eigentümlichen Namen „Huaterle“ hat es wohl von dem auffallend großen Hut, zu dem der Volksmund auch Huat sagt. Er könnte aber auch von „Huat-Herrle“ abgeleitet sein, was soviel heißt wie kleiner Herr mit Hut.

    Das „Huaterle“ trieb sich, wie gesagt, vornehmlich in der Dämmerung an der Doosquelle umher. Von jeher suchten an dieser alten Wasserquelle viele Rast und Erfrischung oder auch jemanden zum Plaudern. Dort trafen sich Fuhrleute, Holzfäller, Schwammerlsucher, Waldläufer, Dorfboten und sogar Feldarbeiter der benachbarten Fluren. Man erzählte und erzählte und vergaß darüber den Aufbruch. Wenn nun das „Huaterle“ überraschend aufkreuzte, war der Schrecken groß, und eilends ging man, ohne ein weiteres Wort zu wechseln, auseinander. Die Fuhrleute spannten sogar ihre Pferde aus und ließen Wagen und Ladung zurück, gingen den Weg allein weiter, denn sie meinten: „Heut` isch sowieso nix mehr z`macha, `s geht ehner ebbes d`rnebe!“

    Die Betroffenen wußten aber sehr genau, daß das „Huaterle“ kein übler und schlimmer Unhold ist, sondern ein guter Geist, der durch sein Erscheinen vor bösem Ungemach warnen und zum sofortigen Aufbruch mahnen und drängen möchte.
    Auch bei der Waldkapelle an der alten Wolferstädter Straße erschien das Männle als unsichtbarer Waldgeist. Man hörte es laufen und durch das Unterholz streichen, wobei es mitunter seinen knorrigen Stecken an einen mächtigen Stamm schlug. Dem Vorübergehenden klopfte es manchmal auf die Schulter und zog ihn am Rock, um auf sich aufmerksam zu machen. Mitunter flüsterte es dem nächtlichen Wanderer, der trunken und schwerfällig nach Hause torkelte, etwas ins Ohr. Dabei warnte es vor lauernden Gefahren und drängte den Trunkenbold zur schnellen Heimkehr.

    Im Gasthaus, hinter einem Glas Bier sitzend und voll herzhaften Mutes, gaben dann die vom „Huaterle“ Heimgesuchten ihre schaurigen Erlebnisse aufmerksamen Zuhörern zum Besten. So manchem übermütigen Zecher saß dann der Schalk im Nacken und er konnte es nicht lassen, zu übertreiben und dick aufzuschneiden. So sind die vielen Huaterle-Geschichten bis auf den heutigen Tag in der Bevölkerung lebendig geblieben.